Standardsituationen haben sich im modernen Fußball zu einem immer wichtigeren Erfolgsfaktor entwickelt. Besonders in der Premier League wird bei Eckbällen und Freistößen mit enormem Aufwand gearbeitet. Bernd Leno sieht diese Entwicklung grundsätzlich positiv, warnt jedoch davor, dass der Fokus auf Standards überhandnimmt.
Der Torhüter des FC Fulham kennt die besondere Bedeutung von ruhenden Bällen aus eigener Erfahrung. Vor allem die körperliche Intensität bei Eckbällen stellte ihn nach seinem Wechsel nach England vor eine Umstellung.
„Ich muss sagen, dass ich am Anfang wirklich Probleme damit hatte. Man weiß zwar, dass die Premier League körperlicher ist. Aber dass der Fünfmeterraum praktisch nicht existiert, ist schon eine Umstellung.“, erklärte Leno im Gespräch mit Sky. In Deutschland würden Torhüter bei solchen Situationen deutlich schneller geschützt.
„In Deutschland wird bei solchen Situationen viel schneller gepfiffen. Als Torwart wirst du deutlich stärker geschützt. In England stehen da ein, zwei Büffel, die nur einen Job haben: dich zu blocken. Da musst du dich wehren, die Fäuste benutzen und dir selbst Platz verschaffen“, führte der Keeper weiter aus.
Auch körperlich habe er sich an die besonderen Anforderungen angepasst: „Natürlich musste ich an mir arbeiten, weil es hier einfach anders zugeht. Ich habe mich aber relativ schnell daran gewöhnt. Trotzdem bleibt es eine Herausforderung“, erklärte Leno
„Standards fast eine eigene Wissenschaft“
Mittlerweile haben sich Standards laut Leno zu einem eigenen Spezialgebiet entwickelt. Viele Vereine beschäftigen eigene Standardtrainer und investieren viel Zeit in die Vorbereitung von Eckbällen und Freistößen. Diese Entwicklung kann der 34-Jährige nachvollziehen: „Grundsätzlich finde ich das gut für den Fußball.“
Gleichzeitig beobachtet Leno aber eine zunehmende Extreme. Teilweise habe man bei Spielen das Gefühl, dass es „nur noch um Standardsituationen geht“. Zwar könne das sehr effektiv sein, besonders attraktiv sei es aus seiner Sicht jedoch nicht immer. „Für mich geht dadurch ein bisschen die Schönheit des Spiels verloren“, sagte der Fulham-Keeper.

Für Leno kommt es deshalb vor allem auf die richtige Balance an. Standards müssten ein Teil des Fußballs bleiben, dürften aber nicht das gesamte Spiel bestimmen. Als Vergleich nannte der ehemalige deutsche Nationaltorhüter den American Football, bei dem Situationen bis ins kleinste Detail einstudiert werden. „Wenn es zu extrem wird, gefällt mir das nicht mehr“, stellte Leno klar.
Die körperlichen Duelle selbst möchte der Schlussmann allerdings nicht missen: „Wenn es zu extrem wird, gefällt mir das nicht mehr. Aber die körperlichen Duelle machen mir inzwischen Spaß. Sie komplett zu verhindern, ist ohnehin sehr schwer“, bilanzierte Leno.

