Der Druck auf Gianni Infantino wird immer größer. Mehrere Kontinentalverbände kritisieren den FIFA-Präsidenten erneut.
Mit seinen Plänen, die WM über eine Firma zu vermarkten und für private Investoren zu öffnen, ist der Schweizer gescheitert und sieht sich seitdem enormem Gegenwind ausgesetzt. Zwar ist der 56-Jährige inzwischen von seiner Idee abgerückt, die Aufarbeitung des Themas beschwichtigte die Kritiker jedoch nicht.
Nachdem die FIFA ihrem Präsidenten am Wochenende demonstrativ den Rücken gestärkt hatte, haben die UEFA (Europa), die CONCACAF (Nord- und Zentralamerika) und die AFC (Asien) nun in einem gemeinsamen Schreiben nachgelegt. „Wo Rechenschaftspflicht herrschen sollte, herrscht Schweigen. Wo Offenheit herrschen sollte, herrscht Distanz. Das sind nicht die Eigenschaften, die der Fußball von seiner Führung verdient“, heißt es in dem „Offenen Brief an die Familie des Fußballs“.
Infantino-Plan: Fußball erlebt ein „Versagen der Urteilsfähigkeit“
Veränderungen, wie die Aufstockung der WM von 32 auf 48 Teams hoben die Verbände zwar positiv hervor, betonten aber, dass das nicht nur der Verdienst der FIFA sei, sondern viel mehr „das Ergebnis der Zusammenarbeit zwischen der FIFA, den Konföderationen, den Mitgliedsverbänden und den Tausenden von Menschen, die ihr Leben dem Fußball widmen.“
Von der Aufarbeitung der Investorenpläne zeigten sich die Konföderationen enttäuscht: „Es wurde nicht eingeräumt, dass der Vorschlag an sich von Grund auf falsch war. Es wird nach wie vor nicht anerkannt, dass der Versuch, Anteile an der FIFA-Weltmeisterschaft zu verkaufen, eine schwerwiegende Fehleinschätzung war.“
Der Fußball habe „in Wirklichkeit ein Versagen der Urteilsfähigkeit erlebt“, heißt es. Die FIFA hatte das Vorhaben ohne Wissen der Kontinentalverbände vorangetrieben und UEFA und co. mit einer Entscheidungsfrist überrumpelt. Das sei „nicht das Verhalten eines Hüters des Spiels, sondern eines, der glaubt, das Spiel sei ihm Rechenschaft schuldig.“

Übrigens: Infantino wurde in dem Statement kein einziges Mal namentlich erwähnt. Angesprochen fühlen darf sich der Präsident des Weltverbandes dennoch. „Wenn Vertrauen durch Täuschung gebrochen wird, wenn sich eine Person über das Kollektiv stellt, das ihr die Autorität anvertraut hat, dann wurde diese Pflicht vernachlässigt“, sendeten die Verbände eine klare Spitze in Richtung des Schweizers.

