Wenn in der Bundesliga der Ball wieder rollt, setzen einige Klubs auf neue Trainer. Drei sind erstmals im deutschen Profibereich tätig.
Vier Vereine haben im Sommer das Personal auf der Kommandobrücke ausgetauscht, nur Eintracht Frankfurt holte einen alten Bekannten zurück in die Bundesliga. Dazu kommen durch die drei Aufsteiger weitere neue Gesichter auf den Trainerbänken, die die Liga mit ihrer Art durchaus bereichern dürften.
PSG-Coach hält viel von ihm: Martinez soll Bayer an die Spitze führen
Erfolgstrainer Xabi Alonso hat seit seinem Abschied aus Leverkusen bereits bei Real Madrid angeheuert, wurde dort entlassen und steht nun bei Chelsea an der Seitenlinie. Auch Bayer 04 wurde seitdem nicht mehr wirklich glücklich. Nachfolger Erik ten Hag musste schon nach zwei Spieltagen gehen, Kasper Hjulmand stabilisiere die Mannschaft zwar zunächst, verpasste aber am Ende die Königsklasse. Nun soll es wieder ein Spanier richten. Carles Martinez kam aus Toulouse zur Werkself.
Der Klub aus der Ligue 1 war seine erste Station als Profitrainer, zuvor war der 42-Jährige als Jugendcoach tätig, unter anderem in La Masia, der berühmten Akademie des FC Barcelona. In Leverkusen verspricht man sich modernen, offensiven Fußball von Martinez. In den Testspielen schickte er seine Mannschaft meist im 4-3-3 ins Rennen, mit zwei klaren Flügelspieler und einem Sechser, der den beiden kreativen Achtern den Rücken freihält.

Schnell und mitreißend soll Leverkusen unter dem neuen Hoffnungsträger auftreten. In Frankreich hat er mit seiner Arbeit schon einen prominenten Fan gewonnen. „Carles ist ein ausgezeichneter Trainer, der seinen Weg gehen wird“, adelte PSG-Trainer Luis Enrique seinen Landsmann: „Gegen Toulouse hat sich meine Mannschaft jedes Mal schwergetan. Das ist kein Zufall.“
Demichelis-Rückkehr in neuer Rolle
Als Trainer ist Martin Demichelis zwar ein Neuling in der Bundesliga, den deutschen Fußball kennt der Argentinier von RB Leipzig aber bereits bestens. 174 Spiele absolvierte er zwischen 2003 und 2011 für den FC Bayern in der Bundesliga, von 2019 bis 2022 trieb er in der Nachwuchsabteilung der Münchener seine Trainerlaufbahn voran.
Nach Stationen bei River Plate, in Monterrey und zuletzt auf Mallorca soll der 45 Jahre alte frühere Innenverteidiger Leipzig erneut in die Top-4 führen. Dabei sollen die Sachsen wieder einen attraktiveren Fußball spielen als unter Ole Werner. Dass Demichelis‘ Vorgänger trotz Platz drei gehen musste, lag vor allem an Zweifeln an der langfristigen spielerischen Entwicklung. Auch daran wird Demichelis nun gemessen werden.
Nach Thun-Märchen: Kann Lustrinelli auch bei Union Wunder wirken?
Union Berlin hat sich in seinen sieben Jahren als Bundesligist einen Ruf als äußerst unangenehmer Gegner erarbeitet. Die feine fußballerische Klinge wurde an der Alten Försterei selten benutzt, Kampf und Leidenschaft haben den Hauptstadtklub in der Bundesliga etabliert.
Im achten Jahr geht man in Köpenick nun neue Wege. Mit Mauro Lustrinelli haben die Eisernen einen Trainer verpflichtet, der hohen Wert auf fußballerische Finesse und Offensivfußball legt. Den FC Thun führte der 50-jährige Schweizer so zuletzt sensationell als Aufsteiger zur Meisterschaft.
Ob der Kader der Berliner bereit ist, „mit Intensität, Dynamik und Energie nach vorne zu spielen“, wird sich erst im Laufe der Saison zeigen. Der neue Coach ist aber optimistisch, dass seine spielerische Revolution gelingen kann: „Ich habe das Gefühl, dass man hier gut zusammen arbeiten und etwas schaffen kann. Das ist die Basis für eine erfolgreiche Zukunft.“
Frankfurt setzt auf Altbewährtes
Von 2018 bis 2021 stand Adi Hütter bereits in Frankfurt an der Seitenlinie und legte währenddessen den Grundstein für den Gewinn der Europa League unter Oliver Glasner. Jetzt ist der Österreicher zurück und soll nach der Chaos-Saison samt Trainerwechsel und Fehlgriff Albert Riera wieder für Ruhe bei der Diva vom Main sorgen.

Nach seinem Abschied vor fünf Jahren war der 56-Jährige für Borussia Mönchengladbach und die AS Monaco tätig. Die Aussage, dass sich bei einem Wechsel für ihn nur die Farben ändern würden, nahm man ihm bei der SGE übel, die Wogen sind aber seit Jahren geglättet. Jetzt hofft Hütter, an seine erfolgreiche erste Amtszeit anknüpfen zu können: „Heute möchte ich den Blick nach vorne richten und ich freue mich auf die Fans, auf die Zusammenarbeit und auf die kommende Saison.“
Auch sie sind neu in der Bundesliga: Das sind die Trainer der Aufsteiger
Bei den drei Aufsteigern gab es keinen Trainerwechsel, alle setzen weiter auf ihre Erfolgsgaranten in Liga zwei. Bundesliga-Erfahrung kann bisher keiner von ihnen vorweise. Miron Muslic genießt auf Schalke das volle Vertrauen von Mannschaft, Vereinsführung und Fans. Der 42-Jährige ist das Gesicht des Aufschwungs und soll Königsblau mit seinem intensiven Pressing und diszipliniertem Spiel wieder als Erstligist etablieren.
Vom Klassenerhalt träumen auch Vincent Wagner (SV Elversberg) und Ralf Kettemann (SC Paderborn). Der 40-jährige Wagner kam im letzten Sommer von der Zweitvertretung der TSG Hoffenheim ins Saarland, führte die erfolgreiche Arbeit von Horst Steffen fort und stieg sensationell in die Bundesliga auf. Die Arbeit mit jungen Spielern ist seine große Stärke, auch in der kommenden Saison besteht ein Großteil des Kader aus entwicklungsfähigen Jungprofis.
Kettemann stand ebenfalls einst bei Hoffenheim II an der Seitenlinie und fand über die U19 des KSC vor einem Jahr den Weg nach Ostwestfalen. Auch dem 39-Jährigen gelang mit seiner klaren, emotionalen Art gleich der Sprung in Liga eins. Dort gilt der SC Paderborn nach den Abgängen vieler Leistungsträger als krasser Außenseiter.

