Millionen, Talente, Baustellen: Die Transferbilanz der Bundesliga

Foto: Getty Images

Am 1. September schließt das Sommertransferfenster. Während einige Bundesligisten ihren Kader bereits frühzeitig verstärkt und wichtige Baustellen geschlossen haben, müssen andere Vereine auf den letzten Metern noch einmal nachlegen.

Hohe Ausgaben allein entscheiden dabei nicht über eine erfolgreiche Transferperiode. Vielmehr kommt es darauf an, Abgänge sinnvoll aufzufangen und den Kader an die Vorstellungen des Trainers anzupassen. Bayer Leverkusen und die TSG Hoffenheim haben diese Aufgaben bislang besonders überzeugend gelöst. Bei RB Leipzig und Union Berlin bleiben dagegen einige Fragezeichen.

Gewinner: Leverkusens durchdachter Kaderumbau

Trotz wichtiger Abgänge hat Bayer Leverkusen seinen Kader gezielt verstärkt. Mit Facundo Medina kam für 23 Millionen Euro ein erfahrener und aggressiver Innenverteidiger von Olympique Marseille. Für die linke Seite verpflichtete der Werksklub Miguel Gutierrez. Der Spanier soll die Lücke schließen, die durch den Wechsel von Alejandro Grimaldo zu Atlético Madrid entstanden ist.

Die größte Investition war Afonso Moreira. Der portugiesische Flügelspieler kostete knapp 30 Millionen Euro und soll die Offensive mit Tempo und Kreativität ankurbeln. Mit Kennet Eichhorn sicherte sich Bayer zudem eines der größten deutschen Mittelfeldtalente. Der 17-Jährige fällt zwar zunächst verletzt aus, ist langfristig aber ein hochspannender Transfer.

Moussa Diaby
Foto: Getty Images

Abgerundet werden könnte die Transferperiode durch die Rückkehr von Moussa Diaby. Leverkusen ist mit dem Franzosen bereits seit Wochen einig. Auch mit Al-Ittihad soll der Werksklub kurz vor einer Einigung stehen. Diaby kennt den Verein und die Bundesliga und würde die Flügelpositionen mit seiner Qualität direkt verstärken.

Bayer hat hohe Summen investiert, dabei aber klare Ideen verfolgt. Die Neuzugänge bieten einen guten Mix aus sofortiger Qualität und langfristigem Entwicklungspotenzial. Trotz des personellen Umbruchs wirkt der Kader breit und sinnvoll zusammengestellt. Damit gehört Leverkusen zu den Gewinnern des Sommers.

Gewinner: TSG verteilt die Toure-Millionen geschickt

Die TSG Hoffenheim musste mit Bazoumana Toure ihren wertvollsten Offensivspieler abgeben. Rund 50 Millionen Euro überwies Newcastle United für den Flügelspieler. Die Kraichgauer investierten diese Einnahmen jedoch nicht in einen einzelnen Nachfolger, sondern verteilten das Geld auf mehrere vielversprechende Spieler.

Nathan De Cat kam für rund 20 Millionen Euro aus Anderlecht und zählt zu den spannendsten Mittelfeldtalenten Belgiens. Adam Daghim soll nach seinen verheißungsvollen Ansätzen beim VfL Wolfsburg den nächsten Schritt machen. Auch Linksverteidiger Mats Rots und Mittelfeldspieler Cajetan Lenz besitzen großes Potenzial.

Bazoumana Touré
Foto: IMAGO

Für die notwendige Bundesliga-Erfahrung sorgt Patrick Wimmer. Der Österreicher kam für zehn Millionen Euro aus Wolfsburg, kann mehrere offensive Positionen übernehmen und überzeugte auf Anhieb in der ersten Pokal-Runde. Wimmer könnte zum Transfer-Steal des Sommers reifen. . Talente wie Alessandro Vogt und Sean Dulic ergänzen den neuen Hoffenheimer Ansatz.

Natürlich bergen die vielen jungen Zugänge ein gewisses Risiko. Einige von ihnen müssen sich zunächst an das Niveau der Bundesliga gewöhnen. Trotzdem ist eine klare Strategie zu erkennen. Hoffenheim hat den Kader verjüngt, auf mehreren Positionen verstärkt und besitzt künftig noch mehr Marktwert-Steigerungspotenzial. Die Verantwortlichen haben den Toure-Verkauf genutzt, um die Mannschaft breiter aufzustellen. Das macht die TSG zu einem der bisherigen Transfergewinner.

Verlierer: Wohin fließen die Diomande-Millionen?

Eigentlich müsste RB Leipzig nach dem Rekordverkauf von Yan Diomande finanziell große Möglichkeiten besitzen. Mindestens 125 Millionen Euro kassierten die Sachsen von Real Madrid. Sportlich hinterlässt der Flügelspieler allerdings eine gewaltige Lücke. Diomande kam in der vergangenen Saison auf zwölf Tore und neun Vorlagen und war der Unterschiedsspieler der Leipziger Offensive.

Die Suche nach einem Nachfolger verlief lange erfolglos. Diego Moreira wechselte zur AC Mailand, Said El Mala verlängerte beim 1. FC Köln. Beide Spieler waren für Leipzig zu teuer. Inzwischen reagierte RB mit der Rückkehr von Christopher Nkunku. Der Franzose kommt zunächst auf Leihbasis von Milan, Leipzig besitzt eine Kaufoption.

Yan Diomande
Foto: Getty Images

Nkunku kennt den Verein und spielte zwischen 2019 und 2023 überragend. Seine vergangenen Jahre bei Chelsea und Milan verliefen allerdings deutlich schwächer. Ob der inzwischen 28-Jährige noch einmal an seine beste Leipziger Zeit anknüpfen kann, ist offen. Als alleiniger Ersatz für Diomande ist seine Verpflichtung deshalb mit einem gewissen Risiko verbunden.

Auch die öffentlich kommunizierten finanziellen Zwänge passen nicht zu den enormen Transfereinnahmen. Leipzig musste seinen teuren Kader verkleinern und konnte nur einen Teil des Diomande-Geldes investieren. Mit Maxime Esteve und Rocco Reitz kamen gute Spieler. Gemessen an den Abgängen und den finanziellen Möglichkeiten fällt der Umbruch bislang jedoch überraschend unspektakulär aus.

Verlierer: Union verliert seine defensive Achse

Union Berlin wollte seinen Kader nach einer schwierigen Saison erneuern und künftig mutiger auftreten. Auf dem Transfermarkt ist dieser Ansatz bislang jedoch nur bedingt zu erkennen. Besonders in der Innenverteidigung mussten die Köpenicker einen großen Umbruch verkraften.

Danilho Doekhi wechselte zu Lazio Rom, Diogo Leite verließ den Verein nach dem Ende seines Vertrages. Damit verlor Union zwei eingespielte Stammspieler und einen großen Teil seiner bisherigen Defensivachse. Als Ersatz kamen Zeno Van Den Bosch und Marvin Friedrich. Zudem wurde Stanley Nsoki nach seiner Leihe fest verpflichtet.

Friedrich kennt Union bestens und bringt viel Bundesliga-Erfahrung mit. Eine deutliche Qualitätssteigerung ist seine Rückkehr allerdings nicht. Van Den Bosch besitzt Entwicklungspotenzial, muss sich aber erst an die Bundesliga gewöhnen. Ob die neu zusammengestellte Abwehr das Niveau ihrer Vorgänger erreicht, dürfte unwahrscheinlich sein.

Nun droht auch Ilyas Ansah den Verein zu verlassen. Hull City bietet inklusive Bonuszahlungen rund 22 Millionen Euro für den Angreifer. Der 21-Jährige will in die Premier League wechseln. Für Union wäre der Abgang trotz der hohen Ablöse ein weiterer erheblicher Qualitätsverlust.

Die Suche nach einem Nachfolger läuft bereits. Für Phil Harres boten die Eisernen rund sechs Millionen Euro, Holstein Kiel lehnte jedoch ab. Ein weiterer Angreifer soll noch kommen, bestätigt ist der Transfer bislang nicht. Mit Michel Aebischer und Emmanuel Latte Lath kamen zwar zwei interessante Spieler. Insgesamt fehlt aber weiterhin die Fantasie, wie Union den angekündigten mutigeren Ansatz umsetzen möchte. Die Köpenicker gehören deshalb zu den Verlierern des Transfersommers.

 

Union berlin
Foto: Getty Images
Diesen Artikel teilen