Bei der brasilianischen Nationalmannschaft sorgt der personelle Umbruch für Diskussionen. Ex-Kapitän Thiago Silva hat die Vorgehensweise von Nationaltrainer Carlo Ancelotti nun öffentlich kritisiert. Der 41-Jährige hält offenbar wenig davon, erfahrene Spieler aufgrund ihres Alters frühzeitig auszusortieren.
Die Aussagen von Silva kommen zu einem Zeitpunkt, an dem Ancelotti bei der Seleção einen klaren Umbruch vorantreibt. Der Italiener setzt verstärkt auf jüngere Spieler und will die Mannschaft mit Blick auf die kommenden Jahre neu aufstellen. Genau diese Herangehensweise stößt bei Silva jedoch auf Widerspruch.
„Soll ich lügen oder die Wahrheit sagen? Man kann keine Spieler aussortieren, die 31, 32 oder 33 Jahre alt sind“, erklärte Silva im Gespräch mit Radio Tupi. Aus seiner Sicht müsse die Erneuerung der Seleção deutlich behutsamer erfolgen.
„In der brasilianischen Nationalmannschaft muss man Schritt für Schritt vorgehen. Man kann nicht einfach alle aussortieren und neue Spieler holen“, stellte der Innenverteidiger klar.
Auslöser für Silvas Kritik ist der Kader, den Ancelotti für die kommenden Freundschaftsspiele nominiert hat. Insgesamt 26 Spieler sind für die Spiele gegen Australien und Indien berufen worden, Silva gehört erneut nicht dazu. Bereits bei der Weltmeisterschaft 2026 hatte der 113-malige Nationalspieler nicht zum Aufgebot gehört.
Für den Verteidiger geht es dabei nicht darum, den Nachwuchs grundsätzlich außen vor zu lassen. Vielmehr müsse ein guter Mix gefunden werden. Spieler, die trotz ihres höheren Alters weiterhin auf hohem Niveau spielen, dürften nicht allein aufgrund ihres Geburtsjahres keine Rolle mehr spielen.
Silvas finales Urteil fiel eindeutig aus: „Ich bin damit nicht einverstanden, aber er ist derjenige, der das Sagen hat.“
Ancelotti weist Kritik zurück
Besonders pikant ist dabei, dass Silva und Ancelotti eine gemeinsame Vergangenheit haben. In der Saison 2012/13 arbeitete der Italiener bei Paris Saint-Germain mit dem Brasilianer zusammen und bezeichnete ihn damals sogar als „besten Verteidiger der Welt“.
Ancelotti selbst reagierte gelassen auf die deutlichen Worte seines ehemaligen Schützlings. Der 67-Jährige stellte klar, dass er die Altersfrage nicht grundsätzlich zum Ausschlusskriterium machen wolle. Gleichzeitig genieße die jüngere Generation aktuell Priorität.

„Eines ist sicher: Ein Spieler, der 34 oder 35 Jahre alt ist, ist nicht die Zukunft. Sie sind die Gegenwart“, erklärte Ancelotti. Sollte ein erfahrener Spieler bei einem großen Turnier weiterhin bereit sein und die nötige Leistung bringen, werde er auch künftig berücksichtigt. „Aber im Moment müssen junge Spieler Vorrang haben“, so der Nationaltrainer.

