Kommt er endlich? Wann kommt er denn endlich? Normale Fragen, die sich Fußball-Fans auf der ganzen Welt am Deadline-Day des jüngsten Sommer-Transferfensters in Bezug auf Enzo Fernandez gestellt haben. Schlussendlich ging der Wechsel des Argentiniers vom FC Chelsea zu Manchester City für die astronomische Summe von 145 Millionen Euro über die Bühne, die Skyblues tüteten den nächsten Superstar-Kauf ein.
Viel spannender allerdings: Die Fragen ob und nach der Ankunft Fernandez‘ in Manchester stellten neben den Fans auch zahlreiche Spieler an Cheftrainer Enzo Maresca. Wie ungeduldige Kinder in Erwartung eines Geschenks an Weihnachten baten die Cityzens-Stars ihren Übungsleiter um Updates zum anstehenden Transfer. ,,Ich kann euch versprechen, dass in den letzten vier, fünf Tagen vier oder fünf Spieler regelmäßig gefragt haben, ob er tatsächlich zu uns kommt, weil sie wollen, dass er zu uns kommt.“
Das Geschenk Fernandez ist mittlerweile überreicht worden. Teuer war es in jedem Fall, aber wer fragt bei einem tollen Präsent hinterher schon nach dem Preis? Ohnehin scheint Geld vor allem im englischen Fußball eine untergeordnete Rolle zu spielen. Wichtiger ist der sportliche Erfolg, den sich in diesem Fall Manchester City durch die Qualitätsspritze mit Namen Fernandez erhofft. Kann der Argentinier tatsächlich die ihm zugeschriebene Rolle so ausfüllen, dass auch der Verlust von Mittelfeldanker Rodri aufgefangen wird?
Fernandez ist das letzte Puzzlestück im neu formierten City-Mittelfeld
Rodri ist ein gutes Stichwort. Der Spanier war in den letzten Jahren der absolute Fixpunkt des himmelblauen Mittelfelds, wanderte aber in diesem Sommer zum FC Barcelona weiter. Generell wurde das Mittelfeld der Cityzens generalüberholt. Aus Rodri, Bernardo Silva, Tijjani Reijnders und Nico Gonzales sind Elliot Anderson, Ayyoub Bouaddi und eben Fernandez geworden. Wer den internationalen Fußball in den letzten Jahren halbwegs aufmerksam verfolgt hat, erkennt: 1-zu-1-Ersatz für die Abgänge in Bezug auf die Rollenbeschreibung sieht anders aus.
Daher muss man auch von der Idee Abstand nehmen, Fernandez nur aufgrund der immensen Ablösesumme als direkten Nachfolger von Superstar Rodri zu sehen. ,,Wir werden ihn auf verschiedenen Positionen einsetzen. Ich sehe Enzo als Sechser oder ein Stück weiter vorne als jemand der auch in der gegnerischen Box auftaucht. Es kommt ein bisschen darauf an, was wir für das jeweilige Spiel brauchen.“ Maresca hält die Spannbreite an Möglichkeiten weit offen, betont aber Enzos Stärken im Torabschluss aus der zweiten Reihe.
Wie möchte Maresca die Stärken von Fernandez nutzen?
In der Tat überzeugt der Argentinier immer wieder durch seine Torgefahr. Primär liegt die Stärke des Rekord-Transfers aber im Passspiel. Fernandez ist elitär darin, als Spielmacher gegnerische Ketten hoch oder flach zu überspielen. In der Zentrale kann er die Geschwindigkeit eines Spiels kontrollieren und dabei vor allem ansatzlos für Tempoverschärfungen sorgen.
Qualitäten, die auch Rodri sein Eigen nennt. Der Unterschied liegt in der Defensive. Während der Spanier eine Zweikampfmaschine ist, die vor der Abwehr den Fels in der Brandung gibt, wird Enzo City defensiv deutlich weniger geben. Fernandez als alleiniger Sechser ist kein Konzept, das Maresca verfolgen wird. Das haben die ersten Spiele seit der Ankunft des Mittelfeldspielers gezeigt. Eine Lösung gibt es allerdings. Eine Doppelsechs bestehend aus Fernandez und Elliot Anderson entlastet den Argentinier ohne dass er darauf verzichten muss, das Spiel schon tief aus der eigenen Hälfte aufzubauen. Der Engländer ist eine Pferdelunge, der den zwar nicht lauffaulen, aber dennoch in dieser Statistik nicht zu den leistungsfähigsten Akteuren gehörenden Argentinier entscheidend unterstützt. Fernandez gehörte vergangene Saison zu den unteren 20 % in puncto Sprintleistung im Premier-League-Vergleich.

Möchte Maresca, der als ehemaliger Guardiola-Schüler grundsätzlich nicht viel an den grundlegenden taktischen Systemen von City gedreht hat, mit einem alleinigen zentralen defensiven Mittelfeldspieler auflaufen, wird diesen Job entweder Anderson oder Bouaddi übernehmen. Für Fernandez bedeutet das in einem 4-1-4-1-System als Achter kürzere Wege in die Box und vermehrt Bälle zu spielen, die vor allem die letzte gegnerische Verteidigungslinie überwinden sollen. Das ist aber nur ein theoretischer Entwurf. Maresca möchte seinem Star-Einkauf genug Freiheiten geben, damit Fernandez tatsächlich voll zur Entfaltung kommen kann.
Für eine Beurteilung ob des Erfolgs ist es nach nicht mal einer Handvoll absolvierten Partien noch deutlich zu früh. Die ersten Eindrücke werden aber vor allem von Maresca äußerst positiv bewertet. ,,Er ist ein Gewinner.“ Fernandez, der mit Argentinien 2022 Weltmeister wurde, soll neben seinen fußballerischen Qualitäten vor allem Führungsqualitäten mit ins Team bringen. In diesem Punkt erhofft sich City in Fernandez tatsächlich einen Rodri-Ersatz. Dass er bei seinen neuen Mitspieler ein hohes Ansehen genießt, wurde schon vor dem Transfer berichtet. Leistet er seinen Beitrag zu neuen Titelgewinnen, erarbeitet er sich Selbiges auch bei den Fans.

