Früh in der Saison hat Borussia Mönchengladbach die Reißleine gezogen. Eugen Polanski musste seinen Posten als Cheftrainer zeitnah räumen, nun steht sein Nachfolger fest. Es handelt sich um Alexander Blessin.
Es ist nicht der große, nicht der magische Name, der bei den Fohlen nun anheuert und versucht, endlich für mehr Kontinuität zu sorgen. Die Kritiker sagen, es ist einfach ein Trainer, der in der letzten Saison mit St. Pauli abgestiegen ist.
Das ist aber nur die halbe Wahrheit. Denn Blessin war es auch, der den Kiezkickern ein Jahr zuvor zum Klassenerhalt verholfen hat. Kritiker führen allerdings an, dass Blessin bei St. Pauli von der Vorarbeit Fabian Hürzelers profitiert habe. Beweisen lässt sich das nicht.
Gladbach: Warum Blessin ein guter Gedanke ist
Der Grundgedanke der Fohlen dürfte auf der Hand liegen. Nach acht Gegentoren in zwei Heimspielen in der neuen Saison und generell einer schockierenden Bilanz in der Defensive bisher muss die Abwehr stabilisiert werden. Schaut man sich die Arbeit von Blessin bei seinen Ex-Klub in Hamburg an, dann wird man schnell feststellen, dass die Statistiken in der Defensive gar nicht so schlecht waren.
In Mönchengladbach hofft man darauf, dass Blessin schnell Lösungen findet, um das Team kompakter agieren zu lassen. Und dass eine Offensive mit Spielern wie Isac Lidberg, Hugo Bolin, Tim Kleindienst oder Franck Honorat schon Mittel und Wege findet, um stetig Torgefahr zu erzeugen.

Doch Fußball ist eine komplizierte Sportart. Es ist nicht so einfach, schnell an einer Stellschraube zu drehen und alles passt plötzlich wieder. Zumal das „wieder“ bei den Fohlen ja ohnehin ein Thema ist, denn zuletzt lief es länger nicht. Die Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit ist schon lange hoch. Man sehnt sich nach den großen Europapokalnächten, stattdessen herrscht momentan die Angst vor Spielen am Sonntag um 13:30 Uhr in Braunschweig.
Es bliebt dabei: Es ist nachvollziehbar, warum man auf die Idee kam, den Ex-Coach des FC St. Pauli zu verpflichten. Weil er gezeigt hat, dass er Lösungen für das aktuelle Grundproblem der Fohlen finden kann.
Es gibt auch noch eine andere Seite der Medaille
Nun lässt sich im Fußball aber nicht ein Element des Spiels verbessern, ohne, dass das Einflüsse auf andere Bereiche hat. Eine Umstellung der defensiven Grundordnung mit anderem Pressingverhalten, anderen Laufwegen und anderen Verschiebungen auf dem Platz beeinflusst alles. Eben auch die Offensive. Die Freiheiten, die Gladbach jetzt zu einigen Chancen verhalfen, werden kleiner. Und die Offensivspieler müssen sich anpassen, wohl auch mehr Kraft und Energie in die Defensive investieren müssen.
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Genau das könnte dazu führen, dass die Energie im offensiven Drittel fehlt. Gladbach holt Blessin womöglich nicht trotz seiner Spielweise, sondern gerade wegen ihr. Genau diese Spielweise könnte aber gleichzeitig das nächste Problem erzeugen. Genau das war der Knackpunkt bei St. Pauli. Defensiv arbeitete man gut, offensiv versagte man teils kläglich. Das klingt drastisch, ist angesichts zahlreicher vergebener Konterchancen aber nun einmal nachvollziehbar.
Deswegen bestehen Zweifel. Zweifel daran, dass Blessin so schnell aus den Fehlern, die zur Dysbalance führten, gelernt hat. Diese Zweifel sind nur natürlich, sie müssen aber nicht bedeuten, dass der Plan der Fohlen mit dem Trainer scheitert. Denn nicht selten führt nicht nur ein Weg zum finalen Ziel. Klar ist aber, dass von Beginn an Druck auf dem Kessel ist, sofort geliefert werden muss, denn kein anderes Team in der Liga hat bisher null Punkte. Das ist etwas, das jeder im Klub ganz genau weiß.

