Der FC Bayern will nicht jede Preissteigerung auf dem Transfermarkt mitgehen. Campus-Chef Jochen Sauer setzt deshalb auf den eigenen Nachwuchs, der sportlich und finanziell Ertrag bringen soll. Als Vorbilder dienen Real Madrid und der FC Barcelona.
Im Interview mit SPOX beschrieb Sauer die Nachwuchsarbeit als Reaktion auf die stark gestiegenen Ablösen. „Die Kombination von zwei Faktoren macht den Campus zu einer guten Antwort auf den Transferwahnsinn“, sagte der 54-Jährige.
Die Überlegung dahinter: Setzt sich ein Talent bei den Profis durch, muss der Klub womöglich keinen teuren Spieler von außen holen. Reicht es für einen festen Platz im Kader nicht, soll die Ausbildung zumindest Geld einbringen. Für internationale Spitzenkräfte werden inzwischen regelmäßig mehr als 50 oder sogar 100 Millionen Euro verlangt.
Als gelungene Beispiele aus dem Campus führte Sauer Lennart Karl, Josip Stanisic, Aleksandar Pavlovic und Jamal Musiala an.
Real Madrid und Barcelona als Vorbilder
Talente, die den direkten Sprung nicht schaffen, will der Klub laut dem Bericht nicht mehr ohne Gegenleistung ziehen lassen. Stattdessen setzt der FC Bayern verstärkt auf Verkäufe, Rückkaufoptionen und Beteiligungen an späteren Wechseln. Real Madrid arbeitet bereits seit Jahren nach diesem Muster. Sauer sagte dazu: „Wir haben in den vergangenen Jahren aufgeholt und sind da nicht mehr so weit weg. Real verfolgt dieses System sehr lange und strategisch.“

Das zweite Modell stammt aus Barcelona, wo La Masia traditionell Spieler direkt für die eigene erste Mannschaft formt. Diesem Ansatz fühlt sich Sauer mit Blick auf die Identität des Klubs näher. „Wir versuchen, sinnvolle Strategien so gut wie möglich zu kombinieren und den besten Weg für den FC Bayern München zu finden“, erklärte er.
Yildiz als Beispiel für verlorenen Wert
Der Kurswechsel hat auch mit früheren Abgängen zu tun. Angelo Stiller und Kenan Yildiz durchliefen die Münchner Ausbildung und gelangen ihren Durchbruch erst bei anderen Vereinen. Vor allem der Wechsel von Yildiz zu Juventus Turin, für den keine Ablöse floss, gilt im Nachhinein als Fall, in dem der Klub sportlichen und finanziellen Wert einbüßte.
Unter Trainer Vincent Kompany ist der Weg aus dem Nachwuchs zu den Profis nach Angaben des Berichts deutlich offener geworden. Der Belgier lässt junge Spieler regelmäßig in der ersten Mannschaft ran und gilt damit als wichtiger Baustein der Strategie.

