RB Leipzig verkauft sich teu(r)er – und doch ist am Ende alles wie immer

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Rehabilitation für München wäre eine gewagte Umschreibung, dafür fiel auch die 1:4-Niederlage in Madrid schlichtweg zu hoch aus für RB Leipzig. Die Reaktion auf das Bayern-Desaster stimmte aber. Die Sachsen hätten sogar in Führung gehen und damit einen anderen Spielverlauf erzwingen können. Doch das behaupten die Gegner von Real Madrid in aller Regelmäßigkeit. 

Aus dem Bernabéu in Madrid berichtet Michael Bojkov.

„Ich kann nicht sagen, dass ich zufrieden bin, denn wir haben verloren“, lauteten Martín Demichelis‘ ehrliche Worte nach der 1:4-Pleite in Madrid, mit einem wichtigsten Zusatz: „Im Vergleich zu München war das aber ein ganz anderer Auftritt.“ Tatsächlich staunte manch einer der 2.000 nach Madrid mitgereisten Leipziger Fans nicht schlecht, als sich ihre Mannschaft im ersten Durchgang das eine oder andere Mal mit sämtlichen Feldspielern in der gegnerischen Hälfte den Ball hin und her schob.

RB Leipzig zeigt sich mit und gegen den Ball verbessert

Das brachte zwar auch seine Tücken mit sich, weil sich Real Madrid zunächst vor allem nach Umschaltsituationen gefährlich und die Leipziger sich dort verwundbar zeigten. Doch die Null stand immerhin bis kurz vor der Pause – weil die von Demichelis eindringlich geforderte Intensität stimmte und man gegen den Ball kompakt stand. Vor allem das Abwehrzentrum um Willi Orban machte einen aufmerksamen Job und unterband mehrere Angriffe durch die Mitte. 

Und vorne? Auch da zeigte sich RB Leipzig gegenüber der 1:6-Pleite in München deutlich verbessert: Die Sachsen agierten ballsicherer, wechselten öfter die Seite und strahlten wesentlich mehr Torgefahr aus. Dass die Bullen im Bernabéu nicht in Führung gingen, lag auch daran, dass Romulo mit gleich zwei Hochkarätern am stark reagierenden Thibaut Courtois scheiterte (28./40.).

Real Madrid gegen RB Leipzig
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Eine königliche Halbzeit auf Sparflamme

Es wäre vermessen zu behaupten, dass Real Madrid diese Partie nicht ernst nahm. Und doch war dem Auftritt der Königlichen ein Stück weit anzumerken, dass RB Leipzig letztendlich auch nur ein auf dem Papier mittelmäßiger Gegner in einem dritten Gruppenspiel der Champions League ist und am kommenden Sonntag der sportlich und emotional wesentlich wichtigere Clásico wartet.

So gewann man nicht unbedingt den Eindruck, dass die Hausherren bis an ihre Leistungsgrenze gingen. Halbzeit eins hatte aus Sicht der Blancos vielmehr was von einem netten Abendkick unter Kumpels – wo man dann aber, auch wir kennen das, doch ab und zu mal die Muskeln spielen lässt, um zu zeigen, was das eigene Füßchen alles so draufhat. Mit Einzelkönnern wie Kylian Mbappé und Arda Güler auf dem Feld wäre alles andere aber auch stark verwunderlich gewesen.

So kamen auch die Madrilenen zu ihren Chancen – wobei die Führung kurz vor der Pause nicht nur ob des Leipziger Chancenplus, sondern auch aufgrund der Torentstehung etwas schmeichelhaft daherkam: Am Ende war es Bernardo Silva, der nach Leipziger Verwirrung einen freien Ball aus der Nahdistanz zum 1:0 abstaubte und damit eine sehr ordentliche eigene Leistung krönte (44.). Demichelis nannte den Leipziger Pausenrückstand im Nachgang „ungerechtfertigt“ und wurde in dieser These von José Mourinho bekräftigt, der den Sachsen einen starken Auftritt attestierte und Courtois als Wegbereiter für den späteren Real-Sieg hervorhob. 

Reals Markenzeichen – Mbappé und Diomande fangen an zu zaubern

Nach dem Seitenwechsel legte Real Madrid aber eine klare Leistungssteigerung hin und erhöhte durch Arda Güler auf 2:0 (52.), ehe in der Schlussphase die Individualisten das Zaubern begannen: Erst war es Mbappé, der mit einem herrlichen Schlenzer aus dem Stand das 3:0 erzielte (83.). Ausgerechnet Ex-Leipziger Yan Diomande, der zuvor eingewechselt worden war und bereits für Mbappé aufgelegt hatte, setzte dann mit einem sehenswerten Volley in den Winkel den Schlusspunkt zum 4:1 (87.). Immerhin: Tidiam Gomis hatte zwischenzeitlich für das 1:3 gesorgt (85.) – auf Vorarbeit des langzeitverletzten Christoph Baumgartner, der nach fünfmonatiger Zwangspause in der Schlussphase sein Comeback gefeiert hatte. Es gibt sie also noch, die guten Nachrichten aus Leipzig.

Kylian Mbappe und Yan Diomande gegen RB Leipzig
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Ohnehin war die Höhe des Ergebnisses am Ende weniger einer Leipziger Schwäche als vielmehr den stärker werdenden Madrilenen geschuldet. Es war das typisch königliche Muster, das sich auch am Mittwochabend zeigte: Der 15-fache Champions-League-Sieger muss nicht spektakulär spielen, ja wirkt gar phasenweise lethargisch, versteht es aber in den richtigen Momenten anzuziehen und dem Gegner mit der puren individuellen Klasse den Zahn zu ziehen. Auf ganz ähnliche Weise mussten die Leipziger den berühmt-berüchtigten „Mythos Real Madrid“ schon bei ihren vorherigen Gastauftritten im Bernabéu kennenlernen (0:2; 1:1).

RB Leipzig: Die Reaktion zählte – und ab jetzt nur noch Siege

Zwar gehen die Leipziger nach der Schmach in München auch bei ihrer dritten Auswärtsreise zum spanischen Rekordmeister als deutlicher Verlierer vom Platz. Die Art und Weise, insbesondere im ersten Durchgang, war jedoch eine ganz andere als noch am vergangenen Samstag. Das empfindet neben Trainer Demichelis auch Comebacker Baumgartner so, der glaubt, „dass wir vieles besser gemacht haben als in München“. Unterm Strich steht zwar die zweite Niederlage im dritten Champions-League-Spiel und nur Platz 29, „aber es war eine Reaktion von der Mannschaft“, so der Österreicher, der sich ob des eigenen Comebacks nach langer Leidenszeit emotional angefasst zeigte.

Und letztendlich hat vor allem das gezählt. Deutlich höhere Erwartungen, gar an einen Leipziger Punktgewinn im Bernabéu, wären ob der unterschiedlichen sportlichen Realitäten beider Mannschaften ohnehin vermessen gewesen. Klar ist aber auch: Die Woche der Wahrheit steht jetzt bevor. In der Bundesliga müssen zu Hause gegen Elversberg und auf Schalke jeweils drei Punkte her, bei Rot-Weiss Essen das Pokal-Achtelfinale erreicht werden. Für RB Leipzig zählen jetzt nur Siege – und für Demichelis der Kredit für die eigene Zukunft am Cottaweg.

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