Neun Ligaspiele in Folge war der FC Barcelona nicht zu stoppen. Dann kam Real Madrid und Jose Mourinho fand einen Weg, die Serie von Hansi Flick zu beenden. Das 1:2 im Clasico offenbarte bekannte Schwachstellen der Katalanen und bringt neue Spannung im spanischen Titelrennen.
Eigentlich sollte der Clasico Barcelonas starken Saisonstart krönen. Mit einem Sieg gegen den Erzrivalen hätten die Katalanen ihren Vorsprung auf Real Madrid auf neun Punkte ausbauen können. Stattdessen durften die Königlichen dank eines Doppelpacks von Kylian Mbappe feiern. Für Flick war es nach sechs Siegen in sieben Clasicos erst die zweite Niederlage gegen Real, und nach neun Siegen der erste Punktverlust in der Liga.
Mourinho findet die Antwort auf Barcelonas Pressing
Wer bei Mourinhos Rückkehr ins Camp Nou einen defensiven Ansatz erwartet hatte, wurde überrascht. Zwar überließ Real den Gastgebern über weite Strecken den Ball, doch die Madrilenen beschränkten sich nicht darauf, nur tief zu verteidigen. Stattdessen suchten sie immer wieder den Weg nach vorne, pressten oft hoch und nutzten Barcelonas Ballverluste für schnelle Gegenangriffe.

Vor allem Jude Bellingham, Arda Güler und Federico Valverde spielten dabei wichtige Rollen. Mit schnellen Verlagerungen und direkten Pässen gelang es Real immer wieder, Barcas erste Pressinglinie zu überspielen. Dann entstanden genau die Räume hinter der hoch stehenden Abwehr, die Flicks Mannschaft schon in der Vergangenheit Probleme bereitet hatten.
Auch ohne den gesperrten Vinicius Junior fand Mourinho Möglichkeiten, Barcelonas Defensive unter Druck zu setzen. Vor allem der Ex-Leipziger Yan Diomande sorgte neben Mbappe mit seinem Tempo für Gefahr. Das erste Tor des Franzosen fiel dann glücklich, nachdem Gerard Martins Klärungsversuch gegen ihn geprallt war. Der Angriff über mehrere Stationen zeigte aber, wie konsequent Real die Räume auf den Außenbahnen suchte.
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Barcelona fehlt die Frische und die letzte Konsequenz
Dabei hätte das Spiel nach dem Seitenwechsel durchaus in eine andere Richtung kippen können. Barcelona erhöhte den Druck, gewann die Kontrolle und belohnte sich durch Raphinhas Ausgleich in der 61. Minute. Danach schien das Momentum aufseiten der Gastgeber zu liegen.
Doch die gewohnte offensive Durchschlagskraft fehlte. Nach 39 Treffern in den ersten neun Spielen brachte Barca diesmal nur sechs seiner 18 Abschlüsse auf das Tor. Lamine Yamal vergab eine gute Gelegenheit, andere Angriffe scheiterten an ungenauen Pässen oder starken Defensivaktionen der Madrilenen. Barca-Trainer Hansi Flick selbst machte nach der Partie auch körperliche Probleme dafür verantwortlich. „Uns hat die Frische gefehlt“, erklärte er. Nach mehreren englischen Wochen und der 2:4-Niederlage bei Paris Saint-Germain mangelte es seiner Mannschaft an der nötigen Energie.

Dazu kommen die anhaltenden Verletzungssorgen. Mit Jules Kounde und Eric Garcia fehlten wichtige Defensivspieler. Als sich auch Rechtsverteidiger Xavi Espart nach einer halben Stunde verletzte, musste Flick wieder improvisieren. Alejandro Balde kam ins Spiel, Joao Cancelo wechselte auf die rechte Seite. Flick bezeichnete die Verletzungssituation nach der Partie sogar als seine größte Sorge.
Ein Konter entscheidet – und das Titelrennen ist wieder offen
Trotzdem hatte Barca nach dem Ausgleich die Möglichkeit, den Clasico für sich zu entscheiden. Aber kurz vor Schluss die Szene, die den Abend aus Sicht der Gastgeber so bitter machte. Nach einem schnellen Gegenangriff, den Bellingham mit einer starken Einzelaktion einleitete, gelangte der Ball über Güler zu Eduardo Camavinga. Der eingewechselte Franzose setzte sich gegen Pau Cubarsi durch und legte quer auf Mbappe, der nur noch einschieben musste.
Es war der zweiter Treffer des Franzosen an diesem Abend und sein 100. Pflichtspieltor für Real Madrid. Die die Szene zeigte aber vor allem, wie verwundbar Barcelona bei Ballverlusten bleibt. Flicks Mannschaft schiebt viele Spieler nach vorne, lässt dadurch aber Räume hinter der eigenen Abwehr. Mourinho wusste diese Schwachstelle zu nutzen. Real benötigte nur 38 Prozent Ballbesitz, um den Gastgebern die erste Liga-Niederlage der Saison zuzufügen.

Der Sieg bedeutet aber nicht, dass Mourinho ein dauerhaft funktionierendes Gegenmittel gegen Flicks Spielidee gefunden hat. Barcelona hatte vor allem in der zweiten Halbzeit viele Chancen, selbst als Sieger vom Platz zu gehen. Real verteidigte diese Phase aber diszipliniert, profitierte von Lunin, der den kranken Courtois im Tor ersetzte, und war in den entscheidenden Situationen konsequenter.
Für die Königlichen hat der Sieg definitv weitreichendere Folgen. Nach einem durchwachsenen Saisonstart steht Mourinho jetzt bei fünf Pflichtspielsiegen in Serie. In der Liga sind es nur noch drei Punkte auf Barca. Atletico Madrid liegt mit 25 Zählern sogar zwischen den beiden Erzrivalen.
Barcelona bleibt zwar Tabellenführer, hat nach den Niederlagen gegen PSG und Real aber zum ersten Mal in dieser Saison zwei Pflichtspiele hintereinander verloren. Flick muss jetzt vor allem die Probleme bei Ballverlusten und die körperliche Belastung seiner Mannschaft in den Griff bekommen. Mourinho hat gezeigt, wie sich die Schwächen der Katalanen ausnutzen lassen und das spanische Titelrennen mit einem einzigen Sieg wieder spannend gemacht.
