Nach dem Turnier ist vor dem Turnier. Das enttäuschende WM-Aus ist verdaut, nun steht für das DFB-Team mit der Nations League bereits die nächste Aufgabe vor der Brust. Unter Neu-Nationaltrainer Jürgen Klopp ist eine Aufbruchsstimmung entstanden, die in einem echten Länderspielmarathon auf die Probe gestellt wird.
In Gruppe 2 der Liga A trifft der letztjährige Nations-League-Halbfinalist auf die Niederlande, Griechenland und Serbien. Während die Balkan-Kicker als größere Unbekannte in dieser Konstellation gelten, kreuzte Deutschland in der jüngeren Vergangenheit sowohl gegen Oranje als auch die Hellenen die Klingen. An die positiven Ergebnisse dieser Begegnungen wollen Klopp und Co. anknüpfen, allerdings hat sich seit damals einiges verändert. Wir schauen auf die Kontrahenten des DFB-Teams.
Niederlande
Das Traditionsduell zwischen Deutschland und der Niederlande geht in die nächste Runde. Bereits in der vergangenen Ausgabe der Nations League traf das DFB-Team auf die Elftal und holte in der Gruppenphase aus Hin- und Rückspiel ordentliche vier Punkte.
Beide Teams erreichten im Anschluss das Viertelfinale. Während Deutschland bis ins Halbfinale vorstieß, musste Oranje gegen Spanien per Elfmeterschießen in der Runde der letzten Acht die Segel streichen. Ein Jahr später schied man im WM-Achtelfinale wieder in einem Elferdrama gegen Marokko aus. In der Folge nahm Bondscoach Ronald Koeman seinen Hut, auf der Trainerposition haben die Niederlande jedoch einen äußerst prominenten Nachfolger verpflichtet.
Kein Geringerer als Xavi Hernandez übernimmt ab sofort die Verantwortung auf der Trainerbank. Die Barca-Legende bezeichnet sich selbst aufgrund seiner La-Masia-Ausbildung unter Johan Cruyff und Rinus Michels als ,,Kind des niederländischen Fußballs.“

Das Mittelfeld-Mastermind soll sein neues Team zurück in die Spitze des Weltfußballs führen. Dabei würde es sicherlich helfen, den zuletzt kritisierten defensiven und passiven Ansatz seines Vorgängers umzukrempeln. In einer Pressekonferenz sprach Xavi davon, ,,die Initiative übernehmen zu wollen“ und außerdem ,,mit hoher Intensität und Leidenschaft“ anzutreten.
Der Einfluss des Spaniers ist bereits durch die Kaderbekanntgabe spürbar. Kapitän Virgil van Dijk dachte nach dem WM-Aus über einen Rücktritt nach, ein Gespräch mit Xavi bereinigte ,,nach zehn Sekunden“ alle Zweifel am Weitermachen. Abgesehen von seiner wichtigsten Säule baut der 46-Jährige wieder unter anderem auf Jeremie Frimpong und Joey Veerman. Die beiden Bundesliga-erprobten Akteure hatten unter Koeman zuletzt einen schweren Stand, bekommen nun aber eine zweite Chance. Nicht dabei ist dagegen Rekordtorschütze Memphis Depay. Insgesamt hat die Niederlande durch Akteure wie van Dijk, Denzel Dumfries, Ryan Gravenberch oder Cody Gakpo weiterhin eine sehr hohe Qualität im Kader, die sich durch alle Mannschaftsteile zieht.
Griechenland
Im Land der Götter ist eine neue Fußball-Generation herangewachsen, die die Hellenen schon bald zurück auf die Bühne der großen internationalen Turnieren bringen könnte. Mit einem frommen Wunsch an Zeus und Co. hat diese Situation aber recht wenig zu tun, vielmehr mit kontinuierlicher Arbeit und der Entwicklung mehrerer vielversprechender junger Spieler.
Für Griechenland ist die Teilnahme an der A-Liga der Nations League eine Premiere. 2018 in Liga C gestartet, gelang im Jahr 2022 der Schritt in Liga B, bevor die Hellenen 2025 über den Umweg Play-Offs in die höchste ,,Spielklasse“ des Wettbewerbs aufstiegen.
Möglich gemacht hat diesen Schritt in der letzten Konsequenz Ivan Jovanovic. Der Serbe trainiert die Nationalmannschaft seit August 2024 und hat unter anderem den Aufstieg von Christos Tzolis mitbegleitet. Der ehemalige Düsseldorfer spielt mittlerweile für den amtierenden Premier-League-Champion Arsenal und ist der große Hoffnungsträger des Teams. Der 24-Jährige ist zu einem Führungsspieler gereift und hat schon ordentlich Länderspiel-Erfahrung angesammelt (34 Spiele, 9 Tore).

Tzolis ist allerdings kein Alleinunterhalter mehr. Vor allem in der Offensive tummeln sich gleich mehrere spannende Akteure. Einer davon ist Dortmund-Neuzugang Konstantinos Karetsas, auch Charalampos Kostoulas könnte für Aufsehen sorgen. Der 19-jährige Youngster dreht aktuell unter Fabian Hürzeler in Brighton ordentlich auf, kommt in fünf Premier-League-Spielen schon auf vier Scorerpunkte und sammelte zwei davon beim sensationellen 3:0-Erfolg der Seagulls gegen Tzolis‘ Arsenal.
Das letzte Aufeinandertreffen mit dem DFB-Team verlor Griechenland 2024 knapp mit 1:2. Zwei Jahre später werden die Karten neu gemischt. Deutschland und die Niederland dürfen gewarnt sein und Jovanovics‘ Team nicht unterschätzen. Dass sie Top-Teams bezwingen können, zeigten die Hellenen durch einen 2:1-Erfolg über England im Wembley im Oktober 2024. Griechenland kann ein unangenehmer Gegner werden, der durchaus für eine Überraschungsplatzierung gut sein könnte.
Serbien
Der große Außenseiter. Serbien hat in Gruppe 2 nicht zu verlieren, denn die Erwartungen sind gering. Die Orlovi gingen seit Sommer 2025 regelmäßig unter und verloren nicht nur deutlich gegen England und Spanien, sondern auch gegen Mexiko und Kap Verde.
Erfolgserlebnisse kamen in diesem Zeitpunkt ausnahmslos gegen Gegner wie Fußballzwerg Andorra, Lettland und Saudi-Arabien. Nun warten weitaus dickere Brocken. Es wird spannend zu beobachten, wie Serbien diese Herausforderungen angehen wird.
Trainer Veljko Paunovic möchte grundsätzlich keinen defensiv-ausgerichteten Konter-Fußball spielen, sondern über Ballbesitz ins gegnerische Drittel kommen. Dort sollen die bulligen Stürmer mit Flanken gefüttert werden, allerdings steht Aleksandar Mitrovic ebenso wie Dusan Vlahovic verletzungsbedingt nicht im Aufgebot. Der Fokus liegt daher auf Ex-Frankfurter Luka Jovic, der im Sturm von Talent Mihajlo Cvetkovic und Ex-Werderaner Jovan Milosevic unterstützt wird.
Der wertvollste Spieler im Kader von Paunovic, der unter anderem mit Bastian Schweinsteiger bei Chicago Fire zusammenarbeitete, ist allerdings in der Defensive zu Hause. Strahinja Pavlovic läuft normalerweise in der Innenverteidigung des AC Mailand auf. Zusammen mit Torhüter Vanja Milinkovic-Savic und dessen Namensvetter Sergej im zentralen Mittelfeld bildet der 40-Millionen-Euro teure Leader die Achse des Teams von Paunovic.

Ob das am Ende des Tages reicht, um in dieser Gruppe zu bestehen? Für die Serben spricht der Klassenerhalt aus dem vergangenen Jahr, als man sich gegen Österreich im Kampf um den dritten Platz durchsetzte. Das scheint aber wohl das Ceiling zu sein, eine Top-Zwei-Platzierung wäre wohl eine faustdicke Überraschung.

