Cristiano Ronaldo schrieb zuletzt Schlagzeilen. Diese waren allerdings alles andere als positiv und warfen auch nachhaltig Fragen auf.
Der 41-Jährige hatte während der Länderspielphase das Teamcamp verlassen, nachdem ihn Trainer Jorge Jesus nicht spielen ließ. Daraufhin postete Ronaldo eine lange Erklärung und warf dem Coach Wortbruch vor.
Die Quittung folgte prompt, Ronaldo wurde zunächst einmal provisorisch suspendiert. Eine Zukunft im Nationalteam ist nach aktuellem Stand ungewiss.
Ronaldo: Der Zoff und seine Folgen
Der Punkt bei Ronaldo ist, dass viele Experten nicht verstehen, warum der Spieler von Al-Nassr so gehandelt hat. Die Differenzen scheinen derzeit unüberbrückbar. „Meine Gedanken zu Ronaldo sind einfach nur: ‚Warum?‘. Am selben Tag trat (Lionel) Messi bei der argentinischen Nationalelf zurück und wie Ronaldo dann die portugiesische Mannschaft verlassen hat, um dann dieses Statement zu veröffentlichen … Das ist einfach auf jede Art und Weise falsch“, erklärte zum Beispiel Ex-Teamkollege Wayne Rooney.

Ronaldo fühlt sich offenbar nicht wertgeschätzt, spielt nicht mehr die große Rolle im Nationalteam Portugals. Dass die Zeit kommen würde, in der er nicht mehr immer zur Stammformation zählen wird, das war klar. Vielleicht aber gerade ihm nicht.
Durch seine Aussagen, sein Statement und sein Handeln lässt er die medialen Muskeln spielen. Wenn Ronaldo etwas kritisiert, dann wird hingehört. Und noch immer ist er eine Ikone im portugiesischen Fußball, der die Massen begeistert. Ist seine Herangehensweise an diese Thematik nun Kalkül oder ein Risiko?
Das ist noch nicht final einzuschätzen, weil das Ende noch nicht bekannt ist. Für viele hat sich Ronaldo ins Abseits geschossen, auch Stefan Effenberg kritisierte ihn zuletzt scharf und erklärte, dass genau das der Unterschied zu Lionel Messi sei.
Ronaldo: Portugal darf nicht einknicken
Für den portugiesischen Verband und den Trainer Jorge Jesus ergibt sich aus der aktuellen Situation ein Charaktertest. Man merkte schon bei der WM, dass Ronaldo dem Team noch immer etwas geben kann, aber sicher nicht über 90 Minuten. Das zu akzeptieren scheint dem Ex-Star von Real Madrid aber nicht leicht zu fallen.
Eigentlich wäre jetzt die Zeit, um mit dieser Vorgeschichte einen Cut zu machen und die Dinge klar zu benennen. Und zwar dahingehend, dass die Zeit von „CR“ im Nationalteam beendet ist. Das wäre kein Abgang, wie er ihn „verdient“ hätte, andererseits hat er ihn auch herbeigeführt, indem er gehandelt hat, wie er eben handelte.
Vielleicht wird Ronaldo Druck ausüben, vielleicht werden auch die Medien Druck ausüben und vielleicht wird es auch Gespräche geben, bei denen man eine Basis entwickelt, auf der man doch noch weiter zusammenarbeiten kann, das weiß man nicht. Es ist möglich, dass es Kompromisse gibt, gleichzeitig aber auch, dass Ronaldo seine Bekanntheit nutzt und wieder ein brisantes Interview gibt.
Eines darf allerdings nicht passieren: Der Verband darf nicht einknicken und Ronaldo, sobald der Druck ein wenig erhöht wird, sofort für die Spiele im November nominieren. Das wäre nämlich ein komplett falsches Zeichen. Nämlich, dass sich der Topstar alles erlauben kann.

