Der 1. FC Nürnberg hat sein Trainerteam kurz vor dem Trainingslager in Südtirol personell verstärkt – und sorgt damit für eine Überraschung. Sportvorstand Joti Chatzialexiou hat Scout Benny Grund zum neuen Spielanalysten befördert. Der 27-Jährige wird künftig eng mit Cheftrainer Miroslav Klose zusammenarbeiten. Brisant: Noch vor seinem Wechsel zum Club hatte Grund den ehemaligen Weltmeister öffentlich mehrfach scharf kritisiert.
Bekannt wurde Grund durch das Twitch-Format „RondoTV“, in dem er regelmäßig die taktische Entwicklung verschiedener Mannschaften analysierte. Auch der 1. FC Nürnberg und insbesondere Klose standen dabei häufig im Fokus seiner Bewertungen. Selbst nach dem viel beachteten 4:0-Derbysieg gegen Greuther Fürth im Oktober 2024 hinterfragte Grund in einer Sendung mit dem Titel „Wie viel kann Miro Klose wirklich für den Derbysieger von Nürnberg?“ den Einfluss des Trainers – und fiel dabei kein positives Urteil.
Klose und Grund räumen Vergangenheit aus

Die kritischen Analysen hielten die Nürnberger Verantwortlichen jedoch nicht davon ab, Grund bereits 2025 als Scout zu verpflichten. Wie Sportvorstand Joti Chatzialexiou gegenüber BILD erklärte, sei die Vergangenheit von Anfang an offen angesprochen worden.
„Wir wussten, dass Benny, bevor er bei uns als Scout angefangen hat, sehr kritisch mit uns als Verein umgegangen ist. Wir haben das mit ihm damals klargestellt. Er hat sich dann klar für die Arbeit im Verein entschieden und seine Social-Media-Aktivitäten eingestellt“, erklärte der 50-Jährige.
Vor seiner Beförderung suchte Grund zudem bewusst das persönliche Gespräch mit Klose. Der neue Spielanalyst wollte mögliche Missverständnisse ausräumen und seine früheren Aussagen einordnen.
„Natürlich war ich in meinen Podcast-Formaten manchmal scharf in der Kritik, aber es war niemals persönlich gemeint. Mir war es wichtig, das persönliche Gespräch mit Miro zu suchen. Ich habe ihm alles erklärt und er hat mir versichert, dass meine früheren Aussagen kein Problem für ihn darstellen“, sagte Grund der BILD.
Nürnberg setzt auf unterschiedliche Sichtweisen
Dass im Trainerteam unterschiedliche Meinungen vertreten werden, sieht Chatzialexiou ausdrücklich als Vorteil. Der Sportvorstand erhofft sich durch Grunds analytischen Blick neue Impulse für die sportliche Entwicklung des Clubs.
„Ich sehe, dass der Austausch und auch die Gedankengänge, die Benny mitbringt, extrem hilfreich fürs Trainerteam sein können. Mir ist wichtig, dass wir im Verein unterschiedliche Blickwinkel zulassen. Die Frage ist immer die Art und Weise, wie man darüber diskutiert, und dass man auch darüber diskutiert. Es ist wichtig, dass wir beim FCN eine gute Diskussionskultur haben“, betonte der Funktionär.
Dass unterschiedliche Auffassungen im Trainerteam allerdings auch zu Konsequenzen führen können, zeigte sich bereits im Sommer. Grund übernimmt die Position von Sebastian Sommer, nachdem zuvor bereits der langjährige Co-Trainer Jerome Polenz den Verein verlassen hatte. Laut Chatzialexiou sei es wichtig gewesen, das Trainerteam mit einer gemeinsamen sportlichen Ausrichtung in die neue Saison zu führen. Mit Benny Grund setzt der 1. FC Nürnberg nun auf einen Analysten, der seine kritische Vergangenheit hinter sich gelassen hat und künftig seinen Blickwinkel intern einbringen soll.

