Todd Boehly kam 2022 mit großen Ambitionen zum FC Chelsea. Der US-Amerikaner wollte den Klub wirtschaftlich modernisieren, die Transferstrategie revolutionieren und dauerhaft an der europäischen Spitze etablieren.
Vier Jahre später verkauft er gemeinsam mit Mark Walter seine Anteile an Clearlake Capital und gibt den Vorsitz ab. Seine Bilanz fällt trotz zweier internationaler Titel äußerst wechselhaft aus.
Boehly: Hohe Investitionen in den FC Chelsea
Nach Informationen der „Financial Times“ erhält das Duo rund 950 Millionen Pfund für sein gemeinsames Anteilspaket. Chelsea wird bei der Transaktion inklusive Schulden mit ungefähr fünf Milliarden Pfund bewertet. 2022 hatte das Konsortium 2,5 Milliarden Pfund für den Klub bezahlt und weitere 1,75 Milliarden Pfund an Investitionen zugesagt. Der gestiegene Wert darf deshalb nicht losgelöst von den enormen Investitionen in den Kader, die Akademie und die Infrastruktur betrachtet werden.

Auch operativ war der Umbau teuer. Chelsea verzeichnete 2022/23 einen Verlust vor Steuern von 90,1 Millionen Pfund. Dem bilanziellen Gewinn von 128,4 Millionen Pfund in der folgenden Saison lagen vor allem konzerninterne Verkäufe der Frauenmannschaft und zweier Hotels zugrunde. Für 2024/25 meldete der Klub anschließend einen Rekordverlust von 262,4 Millionen Pfund. Die Zahlen zeigen, mit welchem finanziellen Aufwand die neue Eigentümergruppe den Umbau vorangetrieben hat.
Mehr als zwei Milliarden Euro für neue Spieler
Am stärksten prägte Boehly Chelsea durch seine Arbeit auf dem Transfermarkt. Seit der Übernahme investierten die Blues mehr als zwei Milliarden Euro in neue Spieler. Gleichzeitig nahm der Klub rund 1,3 Milliarden Euro durch Verkäufe ein. Kein anderer europäischer Verein bewegte in diesem Zeitraum vergleichbare Summen.
Besonders die ersten Transferperioden wirkten dabei wenig abgestimmt. Im Sommer 2022 holte Chelsea mit Raheem Sterling, Kalidou Koulibaly und Pierre-Emerick Aubameyang mehrere erfahrene Spieler, die kurzfristig helfen sollten. Wenige Monate später hatte sich die Strategie bereits grundlegend verändert. Von da an konzentrierte sich der Klub fast ausschließlich auf junge Spieler mit langfristigem Entwicklungspotenzial.

Die Folge war ein aufgeblähter Kader, der kaum zu den Vorstellungen der wechselnden Trainer passte. Mykhailo Mudryk konnte die mit seinem Transfer verbundenen Erwartungen nicht erfüllen. Wesley Fofana wurde immer wieder durch Verletzungen zurückgeworfen. Andere kostspielige Verpflichtungen verschwanden nach kurzer Zeit wieder aus den Planungen.
Auch Verkäufe wurden zum Transferkonzept
Der Winter 2023 verdeutlichte den Aktionismus besonders. Chelsea verpflichtete innerhalb eines Monats unter anderem Mudryk, Benoit Badiashile, Noni Madueke, Malo Gusto und schließlich Enzo Fernandez. Für den argentinischen Weltmeister zahlte der Klub 121 Millionen Euro. Graham Potter sollte aus den zahlreichen Neuzugängen sofort eine funktionierende Mannschaft formen, obwohl Hierarchie und Identifikation an allen Ecken fehlten.
Nicht jede Entscheidung war jedoch ein Fehlschlag. Moises Caicedo entwickelte sich nach einem schwierigen Beginn zu einem der besten Mittelfeldspieler der Premier League. Cole Palmer erwies sich für rund 42,5 Millionen Pfund als herausragender Transfer. Der frühere Profi von Manchester City wurde zum Gesicht der Mannschaft und entschied zahlreiche Spiele mit Toren und Vorlagen.

Auch der Verkauf von Enzo Fernandez für 125 Millionen Pfund an Manchester City zeigte, dass die Strategie langfristig Werte schaffen kann. Chelsea konnte einen unumstrittenen Stammspieler nach mehreren guten Jahren nahezu ohne Wertverlust weiterverkaufen und das Geld erneut in den Kader investieren. Aus dem zunächst chaotischen Einkaufsmodell entwickelte sich mit der Zeit ein etwas klarerer Ansatz.
Viele Trainerwechsel, aber immerhin zwei Titel
Sportlich begann die Boehly-Ära mit einem Absturz. Thomas Tuchel wurde bereits im September 2022 entlassen, Graham Potter hielt weniger als sieben Monate und unter Interimstrainer Frank Lampard beendete Chelsea die Saison mit 44 Punkten auf Platz zwölf. Mauricio Pochettino führte die Mannschaft anschließend auf Rang sechs, ins League-Cup-Finale und ins Halbfinale des FA Cups, musste aber ebenfalls nach einer Saison gehen.
Den Höhepunkt erreichten die Blues unter Enzo Maresca: Chelsea wurde Vierter, gewann die Conference League und bezwang Paris Saint-Germain im Finale der Klub-Weltmeisterschaft mit 3:0. Nachhaltige Stabilität entstand daraus nicht. In der folgenden Saison fiel der Klub auf Platz zehn zurück. Zwei internationale Titel stehen damit einer Ligabilanz mit den Platzierungen zwölf, sechs, vier und zehn sowie zahlreichen Trainerwechseln gegenüber.

Boehly machte sich öffentlich angreifbar
Gerade zu Beginn seiner Amtszeit sorgte Boehly mit unglücklichen Aussagen für Spott. Bei einer Konferenz erklärte er sinngemäß: „Unsere Akademie ist Mo Salah und Kevin De Bruyne.“ Beide waren jedoch als Profis verpflichtet worden. Vor dem Champions-League-Viertelfinale 2023 sagte Boehly zudem einen 3:0-Sieg gegen Real Madrid voraus. Chelsea verlor beide Partien mit 0:2. Später zog er sich aus den sportlichen Entscheidungen zurück, sein Name blieb aber eng mit den Fehlern der ersten Jahre verbunden.
Watson und Nicoll-Jazuli machen Hoffnung
Positiv entwickelten sich unter der neuen Eigentümergruppe aber die Akademie und das Jugend-Scouting. Reggie Watson, der 2025 von Crystal Palace nach Cobham wechselte, feierte beim 6:3 gegen Leeds sein Pflichtspieldebüt für die Profimannschaft. Mahdi Nicoll-Jazuli spielt dagegen bereits seit seinem sechsten Lebensjahr für Chelsea und wurde mit 15 Jahren zum jüngsten Spieler des Klubs, der in der UEFA Youth League von Beginn an auflief. Beide zählen zu den spannendsten englischen Talenten des Jahrgangs 2010. Die Grundlage für den Umbau der Akademie entstand natürlich bereits vor Boehlys Einstieg, wurde durch die Investitionen der neuen Eigentümergruppe aber weiter gestärkt.
Boehly hinterlässt ein widersprüchliches Erbe
Wie fällt also das Fazit von Todd Boehlys Zeit beim FC Chelsea aus? Eindeutig ist es nicht. Sportlich blieben die Blues trotz zweier internationaler Titel und Transferausgaben von mehr als zwei Milliarden Euro ganz klar hinter den Erwartungen zurück. Insbesondere in der Premier League fehlten die Grundtugenden Konstanz und Geduld.

Dennoch gibt es Gründe für Optimismus. Die Transferstrategie wirkte zuletzt zielgerichteter, der Kader besitzt weiterhin großes Entwicklungspotenzial und mit Xabi Alonso steht ein vielversprechender Trainer an der Seitenlinie. Hinzu kommen mehrere hochveranlagte Jugendspieler, die vor dem Sprung in die Profimannschaft stehen. Boehlys Amtszeit war teuer, chaotisch und umstritten. Ob der radikale Umbau langfristig doch noch zur Grundlage einer erfolgreichen Zukunft wird, wird sich allerdings erst nach seinem Abschied zeigen.

