Der Machtkampf zwischen der UEFA und FIFA-Präsident Gianni Infantino spitzt sich weiter zu. Während die Europäer auf einen Wechsel an der Spitze des Weltverbandes drängen, fehlt ihnen bislang ein aussichtsreicher Gegenkandidat. Der frühere FIFA-Mediendirektor Guido Tognoni sieht deshalb die Gefahr, dass die UEFA ihre Ziele verfehlt.
„Die UEFA hat im Moment einfach an Tempo verloren“, erklärte Tognoni im Gespräch mit der ARD-Sportschau. Sollte der europäische Verband nicht bald entschlossener handeln, könne die Auseinandersetzung „in einem Fiasko enden“. Seine Warnung: Infantino könnte im März 2027 wiedergewählt werden, ohne dass die von der UEFA geforderten grundlegenden Reformen umgesetzt werden.
Der amtierende FIFA-Präsident strebt beim Kongress im marokkanischen Rabat eine weitere Amtszeit an. Dabei kann er offenbar auf Rückhalt aus Afrika, Südamerika, Ozeanien und großen Teilen Asiens bauen. Zusätzlich verschafft ihm die angekündigte finanzielle Unterstützung für die Mitgliedsverbände Rückenwind.
Nach einer Sitzung des FIFA-Councils stellte der Weltverband für den kommenden Vierjahreszeitraum rund 25 Millionen US-Dollar pro Mitgliedsverband in Aussicht. Das wäre mehr als doppelt so viel wie bislang.
Tognoni sieht darin einen möglichen Vorteil für Infantino im Wahlkampf. „Er kann den Mercedes-Katalog mitbringen für die Präsidenten, damit sie wissen, was sie mit dem Geld anfangen sollen“, kommentierte der frühere FIFA-Mitarbeiter.
Die UEFA wiederum fordert seit dem gescheiterten Investorenplan den Rückzug des Schweizers. Eine konkrete Alternative hat sie bisher allerdings nicht präsentiert.
UEFA sucht einen Gegenkandidaten
Die Zeit drängt allerdings: Am 18. November endet die Frist für Nominierungen, gewählt wird im März 2027. Erschwert wird die Suche nach einem Gegenkandidaten zu Infantino dadurch, dass mehrere prominente Namen nicht zur Verfügung stehen.
UEFA-Präsident Aleksander Čeferin hat eine eigene Kandidatur ausgeschlossen. Auch Nasser Al-Khelaifi kommt nicht infrage; zudem gilt eine Bewerbung von CONCACAF-Chef Victor Montagliani als unwahrscheinlich.

Als mögliche Alternativen wurden zuletzt Arsène Wenger, früherer Trainer des FC Arsenal und heutiger FIFA-Direktor, sowie Michele Kang genannt, eine milliardenschwere Investorin im Frauenfußball.
Tognoni glaubt, dass potenzielle Herausforderer aus Angst vor einer Niederlage bislang zögern. „Es gibt Leute, die schon die Ambitionen haben, aber die geben das nicht zu, weil sie Angst haben, dass sie verlieren“, sagte er. Für die UEFA wird es damit zunehmend schwieriger, rechtzeitig eine ernsthafte Gegenkandidatur aufzubauen.

