Die Premier-League-Saison 2026/27 steht vor der Tür und verspricht einen spannenden Kampf um den englischen Meistertitel. Selten war eine Vorhersage der Favoriten so schwierig wie vor dieser anstehenden Spielzeit. Schließlich steht bei gleich drei der fünf besten Klubs aus der letzten Saison ein neuer Trainer an der Seitenlinie. Die Premier-League-Favoriten im Check!
FC Arsenal, FC Liverpool, Manchester City – so heißen die letzten drei englischen Meister der vergangenen Spielzeiten. Während die Cityzens im Frühling 2024 unter Pep Guardiola ihren vierten Titel in Folge feierten, holte sich Ex-Liverpool-Coach Arne Slot in seiner Premieren-Saison den englischen Henkelpott. Die Betonung liegt auf Ex, schließlich ging der Weg für den Niederländer nach einer eher enttäuschenden Spielzeit 2025/26 nicht mehr weiter bei den Reds. Und auch Pep Guardiola legte in diesem Sommer sein Amt nach zehn Jahren und fast 600 Spielen als Cheftrainer von Manchester City nieder.
Nur der amtierende Meister FC Arsenal geht mit dem selben Übungsleiter, nämlich Mikel Arteta, in die anstehende Spielzeit. Unberechenbar – so lautet also das Motto, blickt man auf die favorisierten Premier-League-Klubs mit neuem Namen am Seitenrand. Ein Blick auf die jeweiligen Favoriten lohnt sich also, bevor der große Showdown in der besten Liga der Welt in die nächste Runde geht.
Der eingespielte Titelverteidiger: FC Arsenal
Der FC Arsenal, im Frühling diesen Jahres feierte er seit 22 Jahren erstmalig wieder den englischen Meistertitel, ist wohl die gefestigteste Mannschaft aus der Spitzengruppe der Premier League. Das liegt natürlich auch an Trainer Mikel Arteta, der die Gunners nun seit fast sieben Jahren coacht und seine Amtszeit in der vergangenen Spielzeit mit dem Gewinn der Premier League krönen konnte.
Der spanische Trainer verfügt weiterhin über die wichtigsten Leistungsträger seiner Erfolgssaison – lediglich Leandro Trossard ist als scheidender Schlüsselspieler der vergangenen Jahre (Transfer zu Besiktas Istanbul) erwähnenswert. Ihn ersetzen wird der ehemalige Düsseldorf-Star Christos Tzolis, der für 40 Millionen Euro von Club Brügge kam und dort zuletzt für Furore in der belgischen Liga sorgte. Zudem verpflichtete man mit Bruno Guimarães einen der besten Mittelfeldspieler der Premier League von Newcastle United. Der Brasilianer wird künftig mit Declan Rice das Zentrum der Gunners bilden.

Beide genannten Spieler kamen schon bei der Generalprobe im FA Community Shield gegen Manchester City zum Einsatz. Die Gunners gewannen souverän mit 3:0 und sicherten sich damit den ersten, wenn auch weniger relevanten Titel in dieser Saison. Der große Vorteil des Arteta-Teams: Während viele direkte Konkurrenten nach Trainerwechseln oder größeren Umbrüchen zunächst neue Abläufe entwickeln müssen, kann Arsenal auf ein nahezu perfekt eingespieltes Team bauen. Leistungsträger wie Declan Rice, Martin Ødegaard, Kai Havertz oder Bukayo Saka bilden das Fundament einer Weltklasse-Mannschaft, hinzukommen die wenigen gezielten Verstärkungen. Damit geht der Klub aus Nordlondon wohl als erster Anwärter auf die Meisterschaft in die neue Saison.
Saison eins in der Post-Guardiola-Ära: Manchester City
Der wohl größte Umbruch fand beim Tabellenzweiten der vergangenen Spielzeit statt. Nicht nur endete im Sommer die zehn Jahre lange Erfolgsdekade von Pep Guardiola als Trainer bei Manchester City. Auch die stetigen Wegbegleiter des 55-Jährigen Rodri und Bernardo Silva verließen den Verein. Alleine die Abgänge dieser beiden sind nur schwer, nahezu unmöglich aufzufangen. Hinzukommen die Wechsel der drei Innenverteidiger John Stones, Manuel Akanji und Nathan Aké, welche sich Aufgaben im Ausland widmen.
Für den neuen Trainer Enzo Maresca, der einst selbst als Co-Assistent unter Guardiola arbeitete, bedeutet der Neustart vor allem, das bereits bestehende Fundament aus erfahrenen und erfolgshungrigen Spielern mit den Neuzugängen und Jugendspielern bestmöglich zu ergänzen. Der Königstransfer Elliot Anderson (135 Mio. Euro) hat sich bereits in das System der Skyblues einfügen können, zudem sind mit Mathys Detourbet und Jeremy Monga zwei spannende Flügelspieler zu den Cityzens gewechselt.
Allerdings ist die Skepsis im Umfeld von ManCity nicht wegzureden. Auch, weil die abgelaufene Spielzeit schon nicht wie erhofft lief und keinen Titel bescherte. Damals leitete zwar noch Guardiola die Mannschaft, dennoch liegt es gerade in den ersten Wochen an Maresca und seinem Team, die skeptischen Stimmen mit überzeugenden Auftritten und vor allem Siegen verstummen zu lassen. Umso wichtiger ist daher das Auftaktspiel in der Premier League gegen AFC Bournemouth am Sonntag im heimischen Etihad-Stadium – ob es aber für den ganz großen Coup in der ersten Saison der Post-Guardiola-Ära reicht, ist fraglich.
Neuanfang an der Anfield Road: FC Liverpool
Auch beim FC Liverpool beginnt nach der zweijährigen Slot-Amtszeit ein neuer Abschnitt. Für den Cheftrainerposten gekommen ist Andoni Iraola, der die Reds nach einer vergleichsweise schwächeren Spielzeit 2025/26 zurück in die Erfolgsspur führen soll. Die große Aufgabe für den Spanier besteht darin, die millionenschweren Neuzugänge des Vorjahres ins Rollen zu bringen. Trotz Rekord-Investitionen kamen die Offensivstars Florian Wirtz, Hugo Ekitiké und Alexander Isak nie so richtig in Fahrt. Schafft es der 44-Jährige, aus den hochbegabten Spielern eine funktionierende Angriffsreihe zu formen, so ist mit den Reds im Rennen um den Meistertitel durchaus zu rechnen.

Allerdings zeigte sich in der Vorbereitung bereits eine mögliche Schwachstelle des LFC: Beim Testspiel gegen Leeds United gab das Team von Iraola die Partie binnen 45 Minuten aus der Hand, verlor nach 2:0-Führung noch mit 2:4. Selbiges geschah im Vorbereitungsspiel gegen AS Monaco (2:3). Das hängt natürlich auch mit dem Umbruch in der Abwehrreihe der Reds zusammen: Durch die Abgänge von Ibrahima Konaté und Andy Robertson sowie der Verletzung von Joe Gomez musste die Viererkette neu zusammengestellt werden. Kapitän Virgil van Dijk betonte zuletzt selbst, dass die neu formierte Defensive Zeit brauche, um sich einzuspielen. Kriegt Iraola allerdings auch diese Baustelle in den Griff, und zugleich die bereits erwähnte Offensiv-Maschine zum Laufen, könnte eine spannende Saison bevorstehen.
Red Devils im Aufwind: Manchester United
Es war eines der größten Comebacks in der vergangenen Spielzeit: Während Manchester United unter Ruben Amorim zunächst weiter abrutschte und lediglich um den Conference-League-Platz herum dümpelte, führte Interimstrainer Michael Carrick die Red Devils mit einer herausragenden Rückrunde auf Rang drei und damit in die Champions League – zum ersten Mal seit 2023/24.
Trotz anfänglichen Zögerns wurde Carrick mit einer festen Anstellung und einem Zweijahresvertrag belohnt. Nun liegt es am ehemaligen Mittelfeldprofi, die Leistung seiner ersten 17 Pflichtspiele an der Seitenlinie von United in der anstehenden Saison zu bestätigen – und abermals um die vordersten Tabellenplätze mitzuspielen.
Im Sturm soll das bereits funktionierende Gespann aus Sesko, Cunha und Mbeumo für Tore sorgen, zudem verstärken die Neuzugänge Andrey Santos und Youri Tielemans das Mittelfeld. Erstmals seit Jahren herrscht am Old Trafford wieder ein vorsichtiger Optimismus – doch die positive Grundstimmung kann schnell kippen, sollten Ergebnisse ausbleiben. Das hat die jüngere Vergangenheit in der Geschichte des Vereins einige Male bereits knallhart gezeigt.
Alonso-Angriff nach Debakelsaison: FC Chelsea
Neuanfänge gab es in den vergangenen Jahren zuhauf beim englischen Chaos-Klub FC Chelsea. Zugänge im zweistelligen Bereich sind keine Sonderheit, und auch in diesem Sommer schlug man Stand Mitte August gleich elfmal auf dem Transfermarkt zu. Unter anderem kam Morgan Rogers für eine Rekord-Ablöse von 138 Millionen Euro von Aston Villa, zudem wurden Marco Palestra, Maxence Lacroix und einige spannende Jungstars verpflichtet.
Und dennoch ist die Hoffnung bei den Blues groß, dass in der anstehenden Saison 2026/27 wieder ganz oben angegriffen werden kann. Das liegt vor allem an einem, nämlich dem neuen Trainer Xabi Alonso. Der spanische Bayer-Erfolgscoach scheiterte zuletzt bei Real Madrid an der Seitenlinie, seine Qualitäten als Cheftrainer sind dennoch unbestritten.

Nun verfügt der 44-Jährige über einen hochtalentierten Kader, der zudem bereits seit Wochen kaum von der Weltmeisterschaft beeinträchtigt war. Schlüsselspieler wie Cole Palmer oder Joao Pedro waren erst garnicht nominiert worden, entsprechend früh konnte Alonso mit dem Großteil seiner Kernmannschaft wichtige Abläufe einstudieren. Die Kombination aus Alonso, der hoch veranlagte Spieler zu entwickeln weiß, einem millionenschweren Kader sowie der durch die Nicht-Qualifikation ausbleibenden Doppelbelastung könnte dafür sorgen, dass der FC Chelsea sich im Rennen um den Meistertitel mit ein wenig Überraschungsglück wieder anmeldet.

