Am Donnerstag ist es endlich so weit. Jürgen Klopp gibt seinen mit Spannung erwarteten ersten DFB-Kader bekannt.
In den ersten Wochen der neuen Saison sah sich der Bundestrainer zahlreiche Spiele live im Stadion an und besuchte sogar die Trainingseinheiten einiger Erstligisten. Schon bei seiner Vorstellung als Nachfolger von Julian Nagelsmann kündigte der neue Hoffnungsträger an, dass sich jeder Spieler mit einem deutschen Pass anstrengen solle.
Neben etablierten Kräften und potenziellen Rückkehrern dürfen sich vor den vier anstehenden Partien in der Nations League auch zahlreiche Spieler Hoffnungen machen, die bisher noch kein Länderspiel absolviert haben. Die Liste an möglichen Debütanten ist lang, bei drei Spielern wäre es jedoch schon fast eine Überraschung, wenn sie nicht zum ersten Aufgebot des neuen Bundestrainers gehören würden.
Said El Mala, 1. FC Köln
Kölns Said El Mala wäre dabei kein ganz neues Gesicht im Kreis der A-Nationalmannschaft. Der Linksaußen zählte bereits im November 2025 unter Klopp-Vorgänger Julian Nagelsmann zum Kader, kam aber nicht zum Einsatz. Schon nach der Hälfte des Lehrgangs kehrte der Youngster zur U21 zurück.

Nach seiner beeindruckenden ersten Bundesliga-Saison forderten viele, den 20-Jährigen mit zur WM zu nehmen, Nagelsmann verzichtete jedoch auf El Mala. Für den ersten Kader von Jürgen Klopp dürfte die neue Nummer 10 des Effzeh jedoch fest eingeplant sein, das berichten auch erste Medien.
El Mala vereint Tempo, Zug zum Tor und Abschlussstärke mit herausragenden Fähigkeiten im Eins-gegen-Eins. Schwächen hat das Top-Talent bisweilen noch in der Rückwärtsbewegung und der Entscheidungsfindung im letzten Drittel, mit seiner Unbekümmertheit hat er jedoch zweifellos das Potenzial, der Nationalmannschaft auf Anhieb weiterzuhelfen.
Nicolo Tresoldi, Club Brügge
Das bringt auch Nicolo Tresoldi mit. Der ehemalige Hannoveraner hat sich seit seinem Wechsel zu Club Brügge vor einem Jahr auf die Einkaufszettel zahlreicher Top-Klubs gespielt. 23 Tore erzielte er in seiner ersten Saison für die Belgier, auch in der laufenden Spielzeit netzte er in acht Pflichtspielen bereits fünfmal ein.
Eine Nominierung des Angreifers wäre nicht nur der Lohn für seine starke Entwicklung, sondern auch ein wichtiges Zeichen für den DFB. Der 22-Jährige dürfte auch für den italienischen Verband auflaufen und ließ seine Entscheidung bisher offen. Nachdem sich mit Can Uzun und Ibrahim Maza bereits zwei der spannendsten Talente der Bundesliga gegen eine DFB-Karriere entschieden haben, wäre es ein echter Coup, Tresoldi für die deutsche Nationalmannschaft zu gewinnen.

Auf seiner Position im Sturmzentrum ist der Bedarf groß. Kai Havertz ist beim FC Arsenal zwar in bestechender Form, auch Deniz Undav dürfte gesetzt sein. Nick Woltemade ist dagegen ein Wackelkandidat nach einem schwachen halben Jahr bei Newcastle. Allesamt sind zudem andere Spielertypen als Tresoldi, der als Mittelstürmer einen Neuner klassischer Prägung verkörpert.
Philipp Treu, SC Freiburg
Die akuteste Baustelle im DFB-Kader besteht jedoch auf der Position rechts in der Viererkette. Kapitän Joshua Kimmich soll nach einer schwachen Weltmeisterschaft wieder ins Zentrum zurückkehren. Benjamin Henrichs ist nach seiner schweren Verletzung (Achillessehnenriss) noch nicht wieder auf seinem Top-Niveau angekommen, sein Leipzig-Kollege Ridle Baku konnte seine Chancen beim DFB nicht für sich nutzen. Das gilt auch für Josha Vagnoman vom VfB Stuttgart.
Hoffnungen auf sein Debüt für die Nationalmannschaft darf sich daher Freiburgs Philipp Treu machen. Der 26-Jährige kehrte vor einem Jahr vom FC St. Pauli in den Breisgau zurück und ist unter Trainer Julian Schuster gesetzt. Treu hatte großen Anteil am Einzug ins Finale der Europa League und glänzte neben defensiver Stabilität immer wieder mit dynamischen Vorstößen in die Offensive. Im Klub kommt Treu zudem der Konkurrenzkampf mit Routinier Lukas Kübler zugute, gegen den er seinen Stammplatz immer wieder verteidigen muss.

Schon im März sprach der 25-Jährige über ein mögliches DFB-Debüt. „Ich weiß, dass mir bis zur Nationalmannschaft noch ein Stück fehlt“, sagte er damals dem kicker. Gut möglich, dass Jürgen Klopp ihm schon bei seinem ersten Spiel das Vertrauen schenkt.
Weitere Kandidaten für Klopps DFB-Team
Die Liste der potenziellen Debütanten umfasst derweil weitaus mehr als die drei genannten Namen. Ex-BVB-Talent Paris Brunner blüht in Monaco auf, Younes Ebnoutalib (Eintracht Frankfurt) und Dzenan Pejcinovic (VfB Stuttgart) sind ebenfalls Alternativen zu Tresoldi. Bei allen drei spielt zudem der Faktor eine Rolle, dass sie jeweils auch für ein anderes Land auflaufen dürften.
Zwischen den Pfosten hat sich Loris Karius von Schalke 04 zu einem Kandidaten gemausert. Der 33-Jährige, den Klopp aus Liverpool kennt, hat jedoch nur Außenseiterchancen auf eine Nominierung. Auch Mio Backhaus (SC Freiburg), Noah Atubolu (Eintracht Frankfurt) und Finn Dahmen (FC Augsburg) träumen vom Debüt im DFB-Tor. Atubolu und Dahmen zählten bereits unter Nagelsmann zum Kader, durften aber noch nicht spielen. In der Premier League hat der ehemalige Bochumer Vitaliy Janelt (Brentford) einen starken Saisonstart hingelegt, müsste sich im Mittelfeld aber gegen enorme Konkurrenz behaupten.

