Am Donnerstag wird es erstmals richtig ernst für Jürgen Klopp als Bundestrainer. Der 59-Jährige präsentiert seinen ersten Kader für die deutsche Nationalmannschaft und muss dabei einige richtungsweisende Entscheidungen treffen. Nach dem personellen Umbruch rund um die DFB-Elf wird mit Spannung erwartet, auf welche Spieler Klopp künftig setzt.
Die Suche nach geeigneten Nationalspielern führt den neuen Bundestrainer längst nicht mehr ausschließlich durch die Bundesliga. Zahlreiche deutsche Profis spielen mittlerweile im Ausland. Gleichzeitig nimmt der Anteil deutscher Spieler im heimischen Oberhaus immer weiter ab.
Genau darin sieht Mirko Slomka ein grundsätzliches Problem. Der frühere Bundesliga-Trainer warnt in seiner kicker-Kolumne davor, dass die Entwicklung Klopps Arbeit beim DFB zunehmend erschwert.
Seine These untermauert Slomka mit bemerkenswerten Zahlen. Vor dem WM-Triumph 1990 kamen deutsche Profis in einer Bundesliga-Saison demnach noch auf insgesamt 511.759 Einsatzminuten. In der vergangenen Saison waren es lediglich 235.689 Minuten – weniger als die Hälfte.
„Die Auswahl wird kleiner“
Für Slomka hat diese Entwicklung direkte Auswirkungen auf die Nationalmannschaft. „Selbst der beste Trainer ist auf die Spieler angewiesen, die ihm der deutsche Fußball zur Verfügung stellt. Und die Auswahl wird kleiner“, schreibt der 59-Jährige.
Als Beispiel führt der frühere Schalke-Coach unter anderem Bayer Leverkusen an. In einer Partie kamen mit Robert Andrich und Jonas Hofmann lediglich zwei deutsche Spieler zum Einsatz. Zusammen standen sie gerade einmal 44 Minuten auf dem Platz.
Für Klopp bedeutet diese Entwicklung, dass er bei seiner Kaderplanung noch intensiver ins Ausland schauen muss. Deutsche Nationalspieler sind längst in zahlreichen europäischen Topligen verteilt.
Das muss grundsätzlich kein Nachteil sein. Profis, die sich bei internationalen Spitzenklubs durchsetzen, können auch der Nationalmannschaft helfen. Problematisch wird es aus Slomkas Sicht allerdings dann, wenn gleichzeitig immer weniger deutsche Talente in der Bundesliga ihre Chance erhalten.
Slomka: Bundesliga ist zur „Verkaufsliga“ geworden
Einen Grund für die Entwicklung sieht Slomka im Geschäftsmodell vieler Bundesligisten. Die deutsche Eliteklasse sei „zu einer Verkaufsliga geworden“.
Klubs verpflichten demnach verstärkt junge Talente aus dem Ausland, entwickeln diese weiter und verkaufen sie anschließend möglichst gewinnbringend. Wirtschaftlich kann dieses Modell ausgesprochen erfolgreich sein. Für deutsche Nachwuchsspieler erhöht es allerdings den Konkurrenzdruck.
Gerade bei jungen Spielern fehle den Vereinen aus Sicht Slomkas teilweise die notwendige Risikobereitschaft. Statt einem deutschen Nachwuchsspieler Zeit für seine Entwicklung zu geben, setzen die Klubs häufig auf internationale Talente, bei denen später hohe Transfererlöse winken können.
Für Klopp ist diese Entwicklung unmittelbar vor seiner ersten Nominierung eine zusätzliche Herausforderung. Der ehemalige Liverpool-Trainer soll eine neue DFB-Mannschaft aufbauen und gleichzeitig Spieler finden, die langfristig internationales Topniveau erreichen können.
Dass weniger deutsche Profis in der Bundesliga spielen, bedeutet zwar nicht automatisch weniger Qualität. Der statistische Rückgang der Einsatzzeiten zeigt allerdings, dass sich der potenzielle Kandidatenkreis im deutschen Oberhaus erheblich verkleinert hat.
Umso interessanter wird Klopps erste Kaderbekanntgabe am Donnerstag. Sie dürfte bereits erste Hinweise darauf liefern, wie der neue Bundestrainer mit der veränderten Situation umgehen will – und wie stark er bei seinem Neuaufbau auf deutsche Profis aus dem Ausland setzt.

