Am Donnerstag steht Jürgen Klopp erstmals als DFB-Bundestrainer an der Seitenlinie. Die vier Spiele wollen nicht nur Neulinge nutzen.
So manche arrivierte Kraft muss ebenfalls Leistung zeigen, um unter dem neuen Nationaltrainer weiterhin eine Rolle zu spielen. Mit Deniz Undav und Angelo Stiller vom VfB Stuttgart, Hoffenheim-Keeper Oliver Baumann sowie Borussia Dortmunds Maximilian Beier ließ Klopp schon bei seiner ersten Kadernominierung mehrere prominente Nationalspieler zuhause.
Im 44er-Kader, der in zwei Aufgebote gesplittet wurde, berief der 59-Jährige sage und schreibe 14 Spieler ohne Länderspiel, elf Akteure wurden zum ersten Mal überhaupt eingeladen. Während die frischen Kräfte ihre Chance nutzen wollen, stehen drei DFB-Stars unter Druck.
Bei Juventus noch kein Faktor: Neue Konkurrenten für Woltemade
Hinter Nick Woltemade liegt ein bewegtes Jahr. Erst der Wechsel vom VfB Stuttgart zu Newcastle samt Top-Start in der Premier League, dann das Formtief in der Rückrunde. Bei der WM spielte der beste DFB-Torschütze aus der Qualifikation kaum eine Rolle, scheiterte dann aber im Elfmeterschießen beim bitteren Aus gegen Paraguay.

Zurück in Newcastle drohte dem Ex-Bremer die Reservistenrolle, weshalb sich Woltemade am letzten Tag der Transferphase noch zu Juventus ausleihen ließ. Obwohl er dort nach seinem späten Einstieg noch eine Nebenrolle spielt, nominierte Klopp den Angreifer für seinen ersten Kader.
Nach schwierigen Zeiten im Verein muss Woltemade die Wochen beim DFB nutzen, um Klopp einen guten Eindruck zu vermitteln. Die Konkurrenz im Sturmzentrum ist schließlich groß. Neben Kai Havertz berief der neue Bundestrainer das Frankfurter Angriffsduo Younes Ebnoutalib und Jonathan Burkardt. Und dann sind da ja noch Deniz Undav (nicht im Kader) und Nicolo Tresoldi (U21). Woltemade muss schnell wieder zu seiner Form finden, um seinen Kaderplatz in Zukunft nicht zu verlieren.
Zuverlässiger Back-Up: Fällt Anton der Verjüngungskur zum Opfer?
Ähnlich ist die Situation auch in der Defensive. Neben zahlreichen jungen Spielern setzt Klopp in der Innenverteidigung auf ein erfahrenes Trio aus Nico Schlotterbeck, Jonathan Tah und Waldemar Anton. Da mit Malick Thiaw, Yann Bisseck, Finn Jeltsch und co. aber zahlreiche jüngere Akteure auf dem Sprung in die A-Mannschaft sind, könnte einer der bewährten Innenverteidiger mittelfristig aus dem Kader rutschen.

Da Schlotterbeck und Tah gesetzt sein dürften, würde es wohl am ehesten den zuverlässigen Anton erwischen. Der 30-Jährige ist bei Borussia Dortmund zwar Stammspieler und in starker Verfassung, nahm beim DFB seit seinem Debüt gegen Frankreich im März 2024 immer die Rolle des Back-Ups ein. Die ersten Spiele unter Klopp muss Anton zur Eigenwerbung nutzen. Dass er dazu die Gelegenheit bekommen wird, ist sehr wahrscheinlich, da Vereinskollege Nico Schlotterbeck nach seiner langen Verletzung wohl nicht jedes Spiel absolvieren wird.
Ter Stegen ist zurück: Nübel wieder nur Ersatz
Auch im Tor scharrt die nächste Generation bereits mit den Hufen. Jonas Urbig und Noah Atubolu sind in Klopps erstem Kader wohl die Top-Kandidaten, um in Zukunft die Nummer eins im DFB-Team zu werden. Doch auch Stuttgarts Dennis Seimen und Freiburgs Mio Backhaus machen sich Hoffnungen.
Alexander Nübel zählt zwar weiterhin zum Kader, muss den Stammplatz in der Nationalmannschaft aber allmählich abhaken. Der 29-Jährige galt lange als logischer Nachfolger für die Generation um Manuel Neuer und Marc-Andre ter Stegen, konnte sich mit dem Adler auf der Brust aber nie durchsetzen. Als Neuer 2024 zurücktrat, sollte ter Stegen übernehmen. Als sich der damalige Barca-Keeper verletzte, entschied sich Julian Nagelsmann erst für Oliver Baumann und kurz vor der WM für ein Neuer-Comeback.

Jürgen Klopp erklärte nun den genesenen ter Stegen vorerst zu seiner Nummer eins. Nübel bleibt daher wohl nur die Rolle des Ersatzkeepers, solange der 34-jährige Ajax-Schlussmann fit bleibt. Sollte Besiktas-Legionär Nübel seine Chance unter Klopp bekommen, muss er sofort abliefern, um auch im November zur Nationalmannschaft reisen zu dürfen.

